Schadstoffkataster / Asbestkataster

Das Bremer Umweltinstitut erstellt seit mittlerweile drei Jahrzehnten Gefahrstoffkataster / Schadstoffkataster von Gebäuden. Unsere Sachverständigen erkunden dabei den Gebäudebestand oder auch technische Anlagen auf z.B. Asbest, Künstliche Mineralfasern (KMF), PCB- und PAK-haltige Anwendungen, Holzschutzmittel- behandelte Bauteile aber auch auf Schwermetall-haltige (z.B. Blei-haltige) Baustoffe. Die Überprüfung von Polystyrolprodukten auf das Flammschutzmittel HBCD umfasst ebenfalls unser Erkundungsspektrum.

Besonders im Bereich der Asbesterkundungen hat sich der Wissensstand unter Sachverständigen und das methodische Vorgehen zur Erstellung von Asbestkatastern in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Asbestkataster, die vor 2015 erstellt wurden, weisen vermutlich, gemessen an dem aktuellen Stand der Technik, Lücken auf. Die betrifft besonders die Problematik asbesthaltiger Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber (PSF). Das vom VDI und GVSS im Jahre 2015 hierzu vorgestellten Erkundungskonzept (Diskussionspapier) sieht ein statistisches Verfahren für die Materialuntersuchungen an PSF vor. Die Anzahl der Materialproben richtet sich nach der Anzahl der Verdachtsflächen im Gebäude und der Motivation, die Anlass zur Beprobung gibt. Diese wird zu Beginn einer Erkundungsanfrage mit dem Auftraggeber abgeklärt. So unterscheiden wir zwischen
1.) Betrieb und Nutzung (Beurteilung einer Nutzergefährdung); 2.) Instandhaltung und Sanierung; 3.) Abbruch und Rückbau und 4.) Wertermittlung.

Ein modifiziertes Vorgehen befindet sich momentan mit dem Entwurf der Richtlinie VDI 6202 Blatt 3 (Einspruchsfrist bis 31.03.2020) in Vorbereitung.
Auch ein alternatives Vorgehen nach der SBH-Methode (Schulbau Hamburg Methode zur Asbesterkundung) sei hier erwähnt und wird auf Wunsch umgesetzt.

Nach einer entsprechenden Klärung der Aufgabenstellung erfolgt i.d.R. eine Besichtigung des zu untersuchenden Gebäudes oder der technischen Anlage unter Einbeziehung des Baualters, der Gebäudeabschnitte sowie technischen Einrichtungen zur Auffindung potenziell kritischer Baumaterialien oder Materialschäden.

Im Anschluss an diese wird ein Erkundungskonzept (Probenahmeplan) für das Untersuchungsobjekt erstellt und umgesetzt. Die entnommenen Proben werden im hauseigenen Labor (in einigen Fällen in qualifizierten Partnerlaboren) analysiert.

Abschließend erfolgt eine Gutachtenerstellung mit detaillierten Angaben zu den belasteten Baustoffen und Fundorten (z.B. gemäß VDI 6202 Blatt 1). Hierbei werden alle ermittelten Analysewerte bewertet, d.h. anhand der bestehenden Richtvorgaben eingeschätzt. Zusätzlich bzw. insbesondere falls Richtwerte fehlen, werden auf Erfahrungen und wissenschaftlichen Arbeiten des Bremer Umweltinstituts beruhende Bewertungsmaßstäbe genannt. Hinweise auf die einschlägigen Regelwerke auch für Rückbau und Sanierungsmethoden werden mit aufgeführt (TRGS 519, TRGS 517, TRGS 521 und TRGS 524, Asbestrichtline, PCB-Richtlinie oder PCP-Richtlinie, u. w.). In diesem Zusammenhang verweisen wir auch auf einige Veränderungen, so erschien im Oktober 2019 eine neue Fassung der TRGS 519 zum Umgang mit Asbest. Erwähnenswert sind auch Leitlinien des Umweltbundesamtes (UBA), der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und des BSRR zur Asbesterkundung.